Ode an den Freund

Der dich durch die Stadt wandernd begleitet
Den du manchmal aus den Augen verlierst

Rücken an Rücken lauft ihr durch den Tag 
Aus dem Wochen werden 
Da denkst du wieder an ihn
– und er an dich 
Er ist da
So nah –

Schweigend ummantelt er dich nach einem langen 
Spaziergang 
Bevor du mit Worten versuchst zu erklären wo du stehst 
Beschreibt er was dich entrückt
Und hat dir deine Gedanken gelüftet
Die Enge ist nun weit und du bist ein wenig befreit 
Du schließt die Augen und bevor du begreifst
Ist er fort
Vielleicht ist aus seinem Punkt auch ein Komma geworden 
Durch deinen Blick und deine Worte
Da sitzt du wieder am gleichen Ort 
Die Vorhänge zugezogen Elektrisches Licht 
Mechanische Tasten 
Du
Gehst sitzt 
Denkst leichter

Wie auch allein gegen das Wort 
Schwerkraft ankommen



Zuerst erschienen in Fessel und Flügel (2022)